• Erste Symptome der "bulgarischen Grippe"...

    Nach nun fast einer Woche, wo um mich herum die Leute wie die Fliegen umgekippt sind, wenn der werte Herr Maestro sie "angehustet" hat, fühle ich mich auch schon ganz matt und zähle die Tage, bis ich ihn nicht mehr sehen muss. Noch genau sechs Stück. Dann ist er erstmal wieder weg. Gibt schliesslich wichtigere Projekte als SEIN Orchester. Gut so! Weiter so, Herr Maestrovic!
    (sein Name endet natürlich nicht auf "-vic", braucht nicht suchen. Ist was Landestypisches und der Name klingt er wie der eines Mittelfeldspielers aus der Bundesliga...)

    Sein Dirigat ist übrigens überaus durchschnittlich. Seine Vorstellung von Musik entspricht nicht unbedingt der "westeuropäischen Norm" - wenn man mal unsere Musizierkultur als solche bezeichnen will. Vielmehr klingt Mozart chronisch wie Tschiakowskys Blumenwalzer und bei Bach darf man so laut und mit viel Vibrato, als befänden wir uns im letzten Satz einer Mahler Sinfonie. Nichts gegen Piccolotrompeten bei Bach, spiele ich auch hin und wieder ganz gern, aber bei der Lautstärke fürchte ich ständig darum, dass die Lötstellen auseinander brechen könnten.

    Auch habe ich nichts dagegen hin und wieder die Solostimme zu spielen, aber wenn man nach sechs Stunden in der Musikschule und gefühlten 120 Strophen Weihnachtslieder zum Dienst kommt, gerne ein paar tiefe Töne an der zweiten Stimme pusten will und einem dann mitgeteilt wird, man dürfe/müsse nun mal Solo spielen, weil alle anderen Kollegen mit der "bulgarischen Grippe" im Bett liegen, wird's anstrengend. Noch dazu bei einem mir unbekannten Stück.
    Da bin ich schon auf ein präzises Dirigat angewiesen.

    Leider kann der Chef gerade damit nicht dienen. Er sieht beim Dirigieren eher aus, wie die Turngruppe "Rhythmische Sportgymnastik" aus dem örtlichen Altenwohnheim. Immmer schön grosse Kreise ziehen, bloss nicht irgendwo eine ruckartige Bewegung, die auf irgendeine Form von EINS im Takt schliessen lassen würde. Könnte ja einen Hexenschuss auslösen!

    Ach Leute, noch SECHS (6!) Tage. Brauche jetzt nen Kaffee und ein gutes Buch. Dann geht auch der Dienst schon wieder los.

    PS. Wenn jemand ein Globuli oder eine Bachblüte weiss, die unserem Herrn Maestro helfen könnte: Her damit! Ich schenke sie ihm zum Nikolaus!

    Viele Grüsse,
    Euer Gretchen

  • Die bulgarische Grippe...

    Nein, der Chefdirigent kommt nicht aus Bulgarien, aber aus einem anderen europäischen Land. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, aber er spricht es recht verständlich und gut und so glaubt der gemeine Musiker dieses Orchesters schon, was er von ihm zu hören bekommt, nimmt die allzu seltenen freundlichen Worte des harten Akzents gerne an, wird aber die meiste Zeit nur blöd angemacht.

    Vom Dirigentenpult hört man fast bei jedem Einsatz ein: "WAAAAARUM ssspielen Sie daaaa (zeigt auf 3. Horn) dissse Ton zu kurz? Hä!?" Okay, spiele ich eben länger, denkt sich der 3. Hornist.

    "Du da, in die sweite Geige. Warum Aufstrich? Ist das in den Noten, was?! Wollen Sie mich ärgern? Klingt einfach ssssrekkklich!"
    2. Geiger, Stimmführer, neu im Orchester stottert: "Das war nicht böse gemeint. Es stand nur so in den Noten..."
    Dirigent, stöhnt, schüttelt leicht den Kopf: "Denken Sie doch ein Mal nach!"
    Der 2. Geiger läuft rot an. Er tut allen leid. Schliesslich ist er im Probejahr und gibt bei jedem Ton 120%, ist immer top vorbereitet und hat diese Anmache einfach nicht verdient.

    Die zwei Klarinettisten müssen nach der Probe noch bleiben: Sonderprobe mit dem Chef. Der 2. Klarinettist steht kurz vor der Pensionierung, kämpft mit Magengeschwür und Dauerdurchfall und die Kollegen sind froh, wenn er überhaupt mal zum Dienst kommen kann.

    Aber der Chefdirigent kennt keine Gnade. Immer wieder bohrt er in einer schweren Stelle herum, lässt den völlig nervösen Beinahe-Pensionär die irre schwere Stelle spielen. Er motzt und mäkelt: "WAAAARUM sind sie fast ein sssweiunddreissigtel zu spät? Hä? WAAAARUM können Sssie nicht ein Mal pünktlich spielen? Gehen Sie das mal üben! Morgen muss besser sein, jawoll! Ich ertrag' ihr Gedudel einfach nicht. Ssssrecklich!"

    Am nächsten Tag ist der 2. Klarinettist krank, ebenso der Geiger im Probejahr und etwa (muss schätzen - habe den Überblick verloren) 14 andere Kollegen, die bei diesem Dienstpensum und dem Chef-Gemotze (was ich hier nicht in allein Einzelheiten wiedergeben kann - will ins Bett!) psychisch völlig am Ende sind.

    "Zehn kleine Negerlein...", singt der Solohornist, als er heute in die Probe kommt. "Da waren's nur noch zwei." Genau! Zwei "hauseigene" zweite Geigen sind noch da. Der Rest sind Aushilfen. Unsere eigenen Leute sind krank. Kann ja mal vorkommen. In Zeiten der Schweinegrippe.

    "Bulgarische Grippe!", kontert die Schlagzeugerin frech.

    ...oder war's vielleicht die polnische Grippe, die italienische oder türkische?
    Egal welche Nationalität dieser Chefdirigent hat und wie gut oder schlecht er des Deutschen mächtig ist. Irgendwann muss selbst er merken, dass an seiner Art irgendetwas falsch ist und ihn einfach kein Musiker dieses Orchesters mehr erträgt.

    Wie es wohl weitergehen wird?

  • Dirigenten leben gefählich... und der Rest vom Hotel Dracula

    Hatte den zweiten Teil schon lange fertig, aber irgendwie keine Gelegenheit ihn online zu stellen. Hier ist er endlich:

    Im Orchester wird geraucht, gesoffen, Karten gespielt, Drogen genommen, gemobbt, vor dem Konzert noch schnell ein Nümmerchen im Stimmzimmer geschoben ...und gelegentlich wird auch der Dirigent ermordet.

    So jedenfalls im Krimi mit Kommissar Stolberg "Requiem für einen Dirigenten", den es gestern Abend im ZDF zu sehen gab. Und wer war der Mörder? - Das fragen sich sicher nicht nur die Dirigenten unter den Bloglesern.

    Als Orchestermusikerin kann ich nur sagen: Der Film ist - mal abgesehen von dem Mord - erstaunlich realistisch. Am besten gelungen ist den "Machern" jedoch die Rolle des Pförtners, denn ob ihr's glaubt oder nicht: Pförtner und Orchesterwarte fühlen sich als vollwertige Orchestermitglieder. Nur leiden sie darunter, dass sie nie beklatscht werden. Tragisch! Trotzdem war der Pförtner in dem ZDF-Krimi nicht der Mörder... nein, es war viiiel schlimmer!

    Mein Mann konnte sich vor Lachen kaum auf dem Sofa halten, als die Kommissare die Spinde der Musiker durchsuchten: Die Türen waren von innen mit Postern verziehrt, auf denen zum Grossteil nicht Frau und Tochter, sondern ...nun ja... vielleicht Frau und Tochter im Urlaub am FKK-Strand zu sehen waren. Kann gut sein, dass es nicht mal Familienfotos waren.
    "Das sind keine Kulissen! Die haben einfach in einem echten Stimmzimmer gefilmt. Da brauchten sie gar nichts umräumen!", war sich mein Mann sicher!

    Wer den Film verpasst hat, kann ihn in der ZDF-Mediathek finden: ZDF und dann in der Mediathek nach "Requiem" für einen Dirigenten suchen.

    Aber jetzt zum Hotel Dracula:

    Die Nacht in dem Doppelbett mit der harten Matratze ging ganz gut, trotz der Heizung, aus der ständig ein Klopfen zu hören war. Vielleicht wollte Dracula durch die Heizung einsteigen und auf der anderen Seite des Bettes schlafen? Das wäre ihm aber sicherlich zu kalt geworden, weil ich natürlich - wie jede Frau - beide Decken in Beschlag genommen hatte, weil sie soooo entsetzlich dünn waren.

    Den Abend habe ich mir dann mit Tippen des Teil 1 vom "Hotel Dracula" vertrieben und nebenher eine Comedy-Show auf irgendeinem schlechten Privatsender laufen lassen. Zusehen war angesichts der Größe (...äh, Nichtgröße) des Fernsehers nicht möglich.

    Die Dusche am Morgen war warm und der Duschvorhang sah aus, als hätte Margot Honecker den noch persönlich mit überdimensional großen Amöben bestempelt.

    Das Frühstück bestand aus aufgebackenen Brötchen, mit denen man jemanden hätte erschlagen können, so hart wie die waren. Habe mir gleich eines eingesteckt, um Dracula beizukommen, falls er mich in der nächsten Nacht besuchen sollte. Dazu gab es BECEL in kleinen Plastiktöpfchen... bäh, mieser Geschmack, miese Umweltbilanz und neben Marmeladen im Plastiktopf, die bestimmt noch nie die auf ihr abgebildete Frucht kennengelernt hatten, einen liebevoll geschichteten Stapel Scheiblettenkäse.

    Ich wusste gar nicht, dass dieses Zeug überhaupt noch produziert wird! An Aufschnitt wurde in diesem "Hotel" gespart, aber das war nicht weiter schlimm. Den hätte ich sowieso nicht gegessen. Nicht, weil ich Vegetarierin bin (...gibt's das bei Blechbläsern überhaupt?), sondern weil das alles nach so billigbillig aussah, dass in der Wurst sowieso nur keine Wurst gewesen sein könnte.

    Letztlich habe ich in der Kantine des HierUndDaPhilharmoniker-Konzertsaals gefrühstückt und war ganz begückt über die wohlschmeckenden Eibrötchen. Gut für meinen Cholesterinspiegel, dass ich keine Zeit habe, öfter in HierUndDort zu musizieren.

    Die Probe war lustig. Zeitgenössische Musik ist doch immer wieder ein Erlebnis. Und das meistens nicht nur klanglich! Im ersten Stück (Uraufführung) hielten wir Töne aus und dachten dabei an bestimmte Farben. Hätte jeder halbwegs begabte Hobbymusiker der Stadtpfeife auch noch herausgebracht. Einer der vier Hornisten war scheinbar so gelangweilt, dass er es neben dem Töne aushalten vermochte, gleichzeitig mit der einen Hand das Horn zu halten und zu spielen und mit der anderen Hand SMS zu tippen.

    Leider kann ich Euch keinen CD-Tipp der beiden anderen modernen Stücke geben, sonst googlet mir wieder jemand hinterher...
    ...aber, Ihr Lieben, kleiner Rat: Besucht ruhig häufiger Konzerte mit zeitgenössischer Musik. Das kann ein Erlebnis sein!

  • Hotel Dracula

    Hotel Dracula, Mitteleuropa, Deutschland, südlich von Kassel aber nördlich von München. Weit und breit nur Felder, Wälder und Wiesen und mittendrin „Hotel Dracula“, welches heute die Ehre hat mich kennenzulernen – oder umgekehrt.

    Wie es dazu kam? Ja, ich war mal wieder so nett, dem Philharmonischen Orchester HierUndDa meine Aushilfe zuzusagen.

    „Bitte, Frau Gretchenfrage, kommen Sie so schnell wie möglich. Allerdings sitzen wir zur Zeit mitten in einer Baustelle. Da müssten Sie schon seeeeehr sehr rechtzeitig losfahren, wenn Sie morgen pünktlich bei der Probe sein wollen. Oder… warten Sie mal… wir könnten Sie in einem Hotel unterbringen. Genau. Das machen wir. Dann müssen wir auch nicht fünf Mal die Fahrtkosten zahlen. Kommt für uns auf’s Gleiche raus.“

    Schnell überschlage ich im Kopf. Zahlen die die Fahrt so schlecht, oder ist das Hotel so billig? Nein, so ein billiges Hotel gibt’s nicht. Und bei Bed&Breakfast werden die mich schon nicht unterbringen. Vielleicht haben die ein Arrangement mit einem Hotel, so wie unser Laden. Sicher. So wird’s sein!

    Also sage ich zu, erhalte die Daten des Hotels und den Probenplan per Mail und mache mich auf den Weg. Meine blöde Nüvinette hat nicht alle Baustellen intus und leitet mich im Kreis, ist verwirrter als ich. Während ich leise vor mich hin fluche, beim Kaffeetrinken gleich drei Tassen getrunken zu haben, die nun unbedingt mal die verregnete Landschaft sehen wollen, vergehen die Stunden.

    Gefunden habe ich es dann doch noch: Erst geht es von der Autobahn ab, dann 35km über einsame Landstraßen, schließlich durch einen finsteren Wald und dahinter liegt schließlich und endlich das Hotel. Ich bin glücklich. Steige aus dem Auto und tappe gleich in ein Schlagloch. Leider voller Regenwasser. Die Schuhe sind nass. Zum Glück nur die Turnschuhe und nicht die Konzertpumps. Aber trotzdem. Auch die Jeans hat etwas abbekommen. Soll ich morgen in der Schlafanzughose zur Probe gehen?

    Ach, by the way… habe ich euch eigentlich schon mal auf diesem Blog erzählt, wie es dazu kam, dass ich eine Opernvorstellung im Schlafanzug gespielt habe? Bitte im KOMMENTAR antworten!

    An der Rezeption schiebt „Jenny“ dinest. So steht es zumindest auf ihrem Namensschild. Soll ich nun „Guten Abend!“ oder „Hi Jenny!“ sagen? Sie sieht für eine Hotelfachfrau ein wenig ungewöhnlich aus, vielleicht sollte man bei ihrer Berufsbezeichnung das Wort HOTEL weglassen. Ich entscheide mich jedenfalls für die förmliche Variante, schließlich bin ich nicht mehr 20!

    Gretchen: "Guten Abend."
    „Oh, hi! Frau Gretchenfrage?“ Woher weiß sie das denn? Bin ich der einzige Gast heute Abend? Die Rezeption steht quasi mitten im Restaurantbereich des Hotels. Dort herrscht gähnende Leere. „Zimmer 16. WLAN gibt’s nicht. Nur für den Fall dass sie’s versuchen. Hihi.“

    Sie knallt mir den Schlüssel auf den Tresen.
    „Ich komm grad mit. Ist im Hinterhaus.“
    Sie öffnet die Hoftür. Draußen ist alles verregnet, der Hof wirkt verlassen, eine einsame Energiesparlampe beleuchtet sparsam die Waschbetonplatten.

    „Erster Stock!“
    Ich drehe mich um, will mich höflich bedanken und verabschieden, doch da klappt schon die Stahltür zu und Jenny ist verschwunden. Mit nassen Füssen tappe ich durch den Hof. Die verschlossene Stahltür zum Hinterhof-Gebäude bekomme ich mit meinem Zimmerschlüssel auf.

    „Hoffentlich gibt es nicht nur einen Universalschlüssel, den jeder Gast bekommt. Sozusagen ‚Ein Mal zahlen gleich Zutritt für alle Zimmer!‘.“

    Mich schaudert. Was ist denn das für ein merkwürdiges Hotel? Ich will nach Hause! Wahrscheinlich lese ich zu viele Krimis, denn hinter jeder Ecke vermute ich einen Zuhälter, Entführer oder Mörder. Schnell verdrücke ich mich in das Hotelzimmer Nummer 16 und drücke auf den Lichtschalter…

    … nichts! Die Flurbeleuchtung weist mir zum Glück noch den Weg zum Bett und mit dem dort befindlichen Lichtschalter habe ich mehr Glück. Pling und eine hässliche Energiesparlame (jawohl, ich habe was gegen diese Dinger!) beleuchtet den Raum:

    Ein Doppelbett. Immerhin. Ein Fernseher hängt auf einem IKEA-Gestell an der Wand. Allerdings ist der so klein, dass ich vom Bett aus wahrscheinlich nichts mehr sehen werde. Da ist ja mein Laptop-Bildschirm größer! Minibar – Fehlanzeige.
    Auch gibt es keinen Obstkorb, keine liebevoll arrangierte Flasche Mineralwasser für nur 4,50€ auf dem Zimmer. Die Bilder an den Wänden erinnern an Kunstwerke des Volkshochschulkurses „Jeder kann malen – Teil 1“.

    Ich versuche mich am Fernseher. Geht nicht. Jedenfalls nicht mit der Fernbedienung. Der Fehler ist schnell gefunden: Jemand hat die Batterien geklaut. Ich werfe einen Blick ins Bad. Nasszelle trifft es wohl eher. Um genau zu sein: Das ist eine Nasszelle der Urform. Mein Studentenwohnheim Baujahr 1960 hatte eine schönere. Wenigstens war die in freundlichem Orange. Diese hier ist grau. Aber wenigstens sauber. Jedenfalls auf den ersten Blick.

    Ich wasche mir die Hände, um das Warmwasser zu testen. Geht. Prima. Auch ein Handtuch hängt über dem Waschbecken. Nicht schlecht. Das wurde wohl noch nicht geklaut. Ich wasche mir gleich noch das Gesicht und trockne mich ab…

    …aaaah! Diese merkwürdige Webstruktur auf dem Handtuch kann nur eines bedeuten: Es ist eine Fußmatte! Bäääh! Ich wasche mein Gesicht gleich nochmal und finde nun auch ein richtiges Handtuch. Inständig hoffe ich, dass die Fußmatten in diesem Hotel auch gelegentlich bei 90°C keimfrei gewaschen werden.
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    Ansonsten bietet das Bad nicht viel: Ein Plastikklo was übel knatschen kann, ein Plastikzahnputzbecher und ein Mini-Stückchen Seife. Sieht eher aus wie ein kleiner Bonbon, aber riecht ekelhaft und es steht auch das Wort SEIFE drauf. Meine Güte. In diesem Hotel ist nichts wie es scheint.
    Mal sehen was mich morgen beim Frühstück erwartet. Vielleicht sollte ich besser zu Mäcces oder Burgerkönig gehen.
    Da weiß man wenigstens woran man ist und was einen erwartet.

    Und was mache ich jetzt? Vom Fernseher kann ich vom Bett aus nichts sehen, ins Internet komme ich nicht und mein Buch habe ich Zuhause vergessen. Mit Schaudern denke ich an die bevorstehenden Tage bei den HierUndDa-Philharmonikern. Mir ist gerade nicht so richtig nach Kreativität! Diesem Ambiente kann man keine Tonart zuordnen, so kalt ist es.

    Vielleicht paßt ein verminderter Akkord ohne Auflösung, dazu ein paar quietschend hohe Flageolet-Töne einer einsamen Geige.

    Kennt jemand die Oper „Herzog Blaubarts Burg“? Schöne, gruselige Sache. Die paßt zu diesem Hotel! Bin schon sehr gespannt auf morgen!

    Viele Grüße,
    Euer Gretchen

    PS. Mangels Internetzugang zwar am Freitag getippt, aber heute erst gepostet. Ich habe das Hotel also überlebt... aber nur knapp! Wollt ihr Teil 2 auch noch lesen?

  • Lieber Laie oder besser Berufsmusiker?

    Ist es eigentlich Zufall oder Schicksal dass man Berufsmusiker wird? Warum wird der eine ohne Förderung ein super Musiker und der andere wird seine halbe Kindheit hindurch von Mama zu verschiedenen Musiklehrern gefahren und trotzdem fängt er nie so richtig Feuer für die Musik?

    Wäre Mozart Mozart geworden, wenn er heute geboren würde, Eltern Hartz4-Empfänger, die einzige Musik kommt aus dem Pop-Sender im Radio oder bei "Deutschland sucht ihn schon wieder" aus dem Fernsehen?

    Hilft heute JeKi oder die Bläser-Streicherklasse dabei, gute Musiker oder Musikliebhaber heranzuziehen?
    Braucht man wirklich ein Musikstudium, um Musiker zu werden? Oder ist man vielleicht einfach von "Haus aus" ein Musiker?

    Habe diese Fragen, die teilweise von Bekannten, Freunden, Kollegen, aber auch von mir selber stammen einfach mal lose zusammengewürfelt und hoffe auf eine rege Diskussion.

    Es muss doch schließlich auch mal ein Thema fernab von der Schweinegrippeimpfung geben... auf die ich persönlich gerne verzichte und mich somit in Gesellschaft von Thomas Gottschalk, Marcel Reich-Ranitzky und ... da war doch noch ein Politiker auf dem Cover der BILD des Schlagzeugers. Egal. Mir entfallen. Ich möchte weder Pandemrix noch Daronrix... ich nehm' Nix! Höchstens die Schweinegrippe... notfalls.
    :>>

    Aber zurück zum Thema. Helfen neue Medien wie das Internet bei der "Musikerziehung"?

    In diesem Zusammenhang möchte ich Euch noch einen Freund von mir vorstellen. Er ist "Laienmusiker", hat aber doch irgendwie ein Gespür für Musik. Er hat als Kind hobbymässig ein Melodie-Instrument gelernt und sich irgendwann ein Keyboard gekauft, weil er unbedingt komponieren wollte.
    Mit seinen Liedern will er nicht den Musikmarkt revolutionieren, oder in die Hitparade. Er möchte einfach nur Mut machen, sich für etwas ganz wichtiges einzusetzten. Also nix Kompositionsunterricht, Klavierunterricht, Satzlehre usw. Was in diesem Song ist, kam einfach so von ihm selbst. Also mir gefällt's sehr, auch wenn ich sonst eher zu klassischer Musik tendiere.

    Hört dochmal rein. Er hätte nämlich gerne ein Feedback von Euch.
    http://www.mx3.ch/playlist/player?xml=/single/listen/72408

    Viele Grüsse von
    Gretchen, die von dem anstrengenden Wochenende noch ganz k.o. ist. Das nächste wird wohl ähnlich lustig und anstrengend. Falls es sich ergibt, blogge ich ein wenig darüber.
    :yes:

  • Musiker für 8 € / Stunde!

    Da gibt's Dirigenten, die dürfte es gar nicht geben! Einer ist mir zum Beispiel kürzlich über den Weg gelaufen...

    Mugge, hübsches Programm, nicht schwer für mein Instrument und vor allem wenig zu spielen (ca. 10% des Werkes), normal gut bezahlt, nicht allzu weit weg.

    Dirigent ist mir nicht bekannt, aber Google hilft und liefert viel zu viele Details zur Vita des Maestro. Okay, ich bin im Bilde und fahre frohen Mutes zu der Probe.

    Dort erwaret mich ein abgekämpfter Streicherhaufen. Seit 9 Uhr vormittags sind sie schon am Proben. Der Dirigent schwitzt, es ist 15.30 Uhr. Ich packe aus, setze mich, lasse den blöden Spuch... "Man, seid ihr tief!"... fand ich eigentlich ganz lustig, vor allem wenn man bedenkt, dass die Streicher auf 415hz/alte Stimmung unterwegs waren.
    Doch die Laune ist so im Keller. Da nützen auch dumme Blechbläser-Sprüche nichts mehr.

    Nach 45 Minuten endlich: Mein erster Ton! Jubel! Doch der Dirigent bricht gleich wieder ab. Also hier hätte er die Geigen gerne noch ein wenig leiser. Gut, wir fangen wieder von vorne an. Nach drei Takten bricht er wieder ab. Hier die Oboe noch ein wenig kürzer. Wir beginnen wieder von vorne und kommen bis zur zweiten Zeile, bevor wieder abgebrochen wird. Also den einen Ton da im Fagott eine Spur länger....
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    Zwei psychisch anstrengende Stunden vergehen, in denen ich Gelegenheit habe 280 Seiten zu lesen und die Streicher vor sich hin schwitzen und sich ärgern. Gut dass mein Krimi so spannend ist, denke ich und werfe einen schnellen Blick auf den Probenplan.

    Es soll heute bis "minimal" 22 Uhr gehen! Kann doch echt nicht sein! Das sind gerade mal vier Seiten für mich zu spielen! Noch dazu alles C-Dur, nur Grundton, Terz, Quinte und Okatve... nicht gerade sehr anspruchsvoll.
    In einer 5minütigen Pause um 20 Uhr - ich habe meinen Krimi fast durch und so gut wie nichts spielen müssen - entschließe ich mich zu fragen, ob ich noch gebraucht werde. Ich fand mich äußerst geduldig und zurückhaltend. Im Normalfall wäre ich nur zur Generalprobe am Tag des Konzerts gekommen, aber irgendwie hatte ich einen guten Tag, als die Anfrage zu der Mugge kam und habe auch für den Probentag zugesagt.

    Der Maestro wird knallrot im Gesicht. Wie ich es wagen könnte, früher gehen zu wollen. Das wäre unkollegial und überhaupt wäre er noch längst nicht fertig mit seiner Probe. Was ich mir denn anmaßen würde!?

    Hä!? Wie bitte? Ich sitze still und brav 4,5 Stunden ohne Pause und fast ohne zu spielen auf meinem Platz und werde dann so blöd angebrüllt!? Habe ich das wirklich nötig?
    :##

    Ich bleibe bis 22.30 Uhr - werde natürlich nicht mehr gebraucht - aber lese wenigstens mein Buch zu Ende. Am nächsten Tag schwänze ich die Generalprobe *ätsch!* - natürlich nicht ohne kurzfristig abzusagen. *ätsch-ätsch!*

    Bei dem Kerl muss ich echt nicht wieder spielen.

    Das Konzert verlief übrigens ganz ordentlich. Nur die Streicher waren danach völlig am Ende. Klar, wenn man bedenkt, dass der Probentag von 9-22.30 Uhr und am nächsten Tag von 11-17 Uhr und dann um 18 Uhr Konzert nicht gerade kurz war.

    Ganz grob überschlagen beläuft sich der Streicher-Stundenlohn für diese Mugge etwa auf 8€/Stunde. Meiner liegt wegen der geschwänzten GP etwas drüber, ist aber trotzdem nicht gerade königlich.

    Auf so eine Schrottmugge kann ich gerne verzichten. Da wird man sowohl beim Babysitten als auch beim Putzen besser bezahlt!

    Grrrrrr!
    Euer Gretchen - das gerade etwas angestaute Energie loswerden musste!
    Grrrrrr!

  • Gretchen kocht...

    Nachdem ich vor einiger Zeit ganz um die Ecke einen Bio-Bauernhof entdeckt habe, der saisonales Obst & Gemüse ab Hof verkauft, sind wir essenstechnisch von Kantine auf "Selbstgekochtes" umgestiegen. Bekommt allen viel besser. Ich habe ein paar Kilo gelassen (*achwieschade*... ;D ) , mein Mann ist deutlich seltener krank und auch dem Orchestermusiker-Nachwuchs bekommen die diversen Sorten gelbe Rüben, Kohl, Rauke, rote Bete und und und...

    Gestern habe ich mich am Fenchel versucht. Nachdem ich ihn einige Male zusammen mit rohen Kartoffelscheiben, Milch, Sauerrahm, Gewürzen und Käse überbacken habe, bin ich nur zur "Bratversion" übergegangen.

    Und das ging so:

    1 Zwiebel, 2 Knobizehen in etwas Öl anbraten, den in dünne Scheiben geschnittenen Fenchel dazugeben, in eine Ecke der Pfanne schieben.
    4 kleine Putenfilets und zwei Rosmarinzweige in die andere Seite der Pfanne legen und schön kross braten.
    Mit jodfreiem Salz & Pfeffer würzen.

    Kurz bevor alles anbrennt mit 250ml Milch ablöschen. Ich habe ausserdem mit Thymian, Oregano und Lavendel nachgewürzt.

    Zusammen mit den übrig gebliebenen Nudeln vom Vortag in eine Auflaufform und bei 200°C mit leckerem Käse überbacken. Ich habe Emmentaler und Gruyère genommen, weil es viiiiel besser als jede Analog-Käsemischung aus der Tüte schmeckt.

    Und jetzt... tatatataaah... muss Gretchen üben gehen, weil am Wochenende diverse Konzerte anstehen. Wird anstrengend und aufregend, ob ich es rechtzeitig mit dem Auto von Konzertort A nach B und C schaffe. Drückt mir die Daumen!

    Ich wünsche Euch einen schönen Tag!

  • Eigenarten der Piccoloflötistinnen

    Nein, ich möchte nichts verallgemeinern, aber folgendes brachte mich schon zum Schmunzeln:

    Ich kenne wirklich wenig Leute, die längere Zeit mit einem Fahrradhelm auf dem Kopf herumlaufen, wenn sie nicht gerade ihr Fahrrad fahren, schieben usw.

    Genau genommen kenne ich nur drei Menschen, die sowas regelmäßig und für längere Zeit tun. Alle drei sind Frauen und spielen hauptberuflich Piccoloquerflöte in einem Opern- oder Sinfonieorchester.

    Diese drei Damen arbeiten nicht im gleichen Orchester, also gehe ich davon aus, dass es keine ansteckende Krankheit ist. Aber vielleicht haben sie sich abgesprochen? Falls sie sich überhaupt kennen. Oder es war eine Herbstmodeempfehlung in der "Igitte für Holzbläserinnen"...
    ;D

    Zum Glück nehmen die Piccoloflötistinnen ihren Helm wenigstens im Orchestergraben bzw. auf der Bühne ab. Und auch die blinkenden Leuchtstreifen, die eine der Damen sich um die Beine gebunden hatte, hat sie zur Probe zwar nicht abnommen, aber wenigstens abgestellt.

    Ein Blechbläser hat übrigens 50€ darauf ausgesetzt, falls es jemand schafft, der Flötistin während der Probe diese Blinkstreifen wieder anzuschalten. Hat sich dann aber doch keiner getraut.

    Vielleicht sollte er mal 100€ darauf setzen, dass ihr jemand während der Vorstellung den Helm wieder auf den Kopf setzt...
    :>>

    Viele Grüße,
    Euer Gretchen

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